Lebenslügen

 

Wir delegieren
unser Leben an die Ratgeber der Gegenwart,
dabei verlieren
wir die Kontrolle und die Zeit, die nur ein Leben hat.

 

Wir kommunizieren
nur noch schnurlos, denn der Draht zum andern ist gekappt,
und wir transferieren
unsere Daten in die Welt, die kein Gesicht mehr hat.

 

Und nachts lieg ich wach,
muss mich verstecken, mich wecken die fetten
Lebenslügen, trügerische Ziele verführen,
ich tu und mach, jage Sachen nach im Optimierungswahn.
Wann fängt mein Leben an?


Komm, wir schießen Lebenslügen
auf den Mond und leben wieder.

 

Wir exmatrikulieren
und aus dem Studium unseres Seins bei jeder Schwierigkeit
und applaudieren
jedem Idol, das unverhohlen hohle Zoten reißt.

 

Wir investieren
unsere Kraft in die Beschleunigung der Lebenszeit,
und wir konsumieren,
damit der Tod in unserm Leben nicht bedrohlich scheint.

 

Und nachts lieg ich wach,
muss mich verstecken, mich wecken die fetten
Lebenslügen, trügerische Ziele verführen,
ich tu und mach, jage Sachen nach im Optimierungswahn.
Wann fängt mein Leben an?

 

Auf dem Grabstein steht geschrieben:
Erdrückt von ihren Lebenslügen.

 

Wir maximieren
jeden Gewinn, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringt,
und wir riskieren,
dass die Bilanz am Ende unser aller Leben nicht stimmt.

 

Wir arrangieren
uns in Gedanken an Vergangenes, das besser war,
und wir resignieren,
weil uns die Gegenwart dagegen nichts zu geben hat.

 

Und nachts lieg ich wach,
muss mich verstecken, mich wecken die fetten
Lebenslügen, trügerische Ziele verführen,
ich tu und mach, jage Sachen nach im Optimierungswahn.
Wann fängt mein Leben an?